Familienterffen Schmid

Anekdoten


Großvaters Torfstich


"Das schwarze Gold" als Heizmaterial.
Großvater hatte, wie sehr viele andere Röfinger "Häuslesleut" einen Torfstich. Er war Richtung Bahnhof zwischen Marza-Bäck und Sägmühl- Weh.
Voraussetzung für einen guten Torfstich waren Wasserüberschüsse im Boden, sodaß sich das"Moor" bildete und mit einem scharfen messerartigen Gerät in U-Form gestochen werden konnte. Das Brennholz war damals knapp und zu teuer und für die ländliche Bevölkerung in Schwaben kaum erschwinglich.
Das Moor oder besser Torf wurde wie "Brikett´s" gestochen und aufgeschichtet. Jetzt brauchte man nur noch Sonne,Sonne und nochmals Sonne.
Dann mußte das Torf "umgebockt" werden,damit alle Seiten zur Sonne schauten.
Da war die ganze Familie mit einbezogen, auch wir Kinder mußten mit zum "umbocke". In den Ferien kam dann um die Mittagszeit die Großmutter mit dem Leiterwägele und einem großen Topf "Kartoffelsuppe"und "Apfelküchle".
Das war ein Hallo, - und g´schmeckt hat´s - no grad gut.
Für die Großen gab es Apfelmoscht und für die Kinder "Goissemilch" dazu. Wenn die Torfstücke trocken genug waren, wurden sie in Weidenkörbe gefüllt und heimgefahren. Vom "Dotle"wurde der Ochsenwagen ausgeliehen und wir Kinder durften zur großen Freude hintendrauf sitzen.
Die Weidenkörbe hatte unser Großvater viele Jahre selbst geflochten auch alle Röfinger kamen um beim "Goißa-Schuschter" Torfkörb zu bestellen und für wenig Geld zu kaufen. Die Bauern bezahlten meistens mit Naturalien Mehl-Eier_Butter-Schmalz und Sonstiges was "de geizige Baura" übrig g´hätt hand.
Für uns war es jedoch eine sehr schöne Kindererinnerung und wir konnten es kaum erwarten bis es Mai wurde und man ins "Torf"gehen durfte.

PS In Jettingen-Scheppach gibt es heute noch einen liebevoll angelegten Torferlebnispfad das "Bremental". Viele Schulklassen staunen heute noch über die damalige "umständliche & arbeitsaufwendige" Brennstoffbeschaffung So ändern sich die Zeiten - heut wird nur noch auf´s Knöpfchen gedrückt...

geschrieben von Karin am 2.12.2011

Blutige Angelegenheit


Beim Stadter im Hexenhäusle ist der Großvater Josef Schmid im 1. Stock seinem Handwerk nachgegangen und hat Schuhe geflickt, er war ja a Schuaschter. Um seine Familie im Auge zu haben und das ist, weiß Gott ja nicht einfach bei einer Frau und 7 Kinder, war im Boden von seiner Schuaschter-Werkstatt ein Ausguck und so hat er alle im Blickfeld gehabt.

Jetzt ist dem Robert, des war a Malefitz-Lausbua nix bessers eigfalle, als der kloina Hannelore, die ja no im Kinderwaga gleaga isch, a paar rote Beete in’s kloine Mäule zu stopfa, weil’s gar so hungrig ausgschaut hat. Dös hat jetzt der Großvattr gsea und isch ja so was von verschrocka, weil er gemoint hat, daß dös a Blut isch, des’r dau sieht. Ich glaube, des hat a paar Watsch’n nach sich gezogen.

Ja, Ja der Robert, immer zu einem Spass aufgelegt. Ich denke, dass es für alle besser verständlich ist, wenn ich in Hochdeutsch schreibe.

Dem Robert war es mal wieder langweilig und so hat er sich gedacht, ich versteck mich jetzt mal und schau, was dabei rauskommt.
In der Küche war ein Spülbecken, an diesem war ein Vorhang angebracht um den darunter stehenden Abfluß zu verdecken. In seiner Langeweile hat sich Klein-Robertle hinter diesem Vorhang versteckt und sich mucksmäuschen still verhalten. Oma Berta hat Robert gesucht und in ihrer Verzweiflung auch noch die Nachbarn aktiviert, weil der Bua verschwunden ist.
Es hat einige Zeit gedauert, bis Robertle es mit der Angst zu tun bekommen hat, er hat ja bemerkt, dass die Mama ihn sucht und ganz zaghaft, hat er ein paar klägliche Laute ausgestossen, bis Großmutter Berta ihn dann hinter dem Vorhang entdeckt hat. Ich kann mir schon vorstellen, dass Oma Berta so was von erleichtert war, diesen Rotzlöffel gefunden zu haben, aber ich kann mir auch vorstellen, dass er hier auch wieder was abbekommen hat.

Spülbecken die 2.
Unter diesem Spülbecken war der Abfluß ja nicht in der Wand installiert, sondern es stand einfach ein Kübel darunter, um das Abwasser aufzufangen. Hier wollte das Robertle mal das Schwimmen versuchen und hat sich einfach in den vollen Eimer gesetzt, das hat der Oma mit Sicherheit auch nicht gefallen.

Und nun zum Onkel Helmut. Es war für ihn immer eine Wonne mit einem Leiterwagen das Bergle beim „Griffel“ runter zu fahren. Flugs die kleine Hannelore reingesetzt und ab ging die Post. Doch einmal hatte er wahrscheinlich a bisserl zuviel PS auf seine Deichsel und des arme Hannelorle is einfach aus dem Wägele gefallen, ich denke, des wurde mit viel Geschrei kundgetan. Aber hier war ihm sein Onkel Karl ja ein gutes Vorbild. Der große Kerl (ein jüngerer Bruder von Oma Berta) war mal zuhause, ansonsten ja viel unterwegs auch beim Militär und hat das gleiche vorgemacht mit Tante Elli, seiner Nichte. Auch die Erwachsenen haben ziemlich viel Blödsinn im Kopf gehabt. Aber Gott sei Dank ist den beiden Tanten nix passiert, außer, dass sie vielleicht a paar Brennessel abbekommen haben, die ja am Bergle beim Griffel immer gewachsen sind.

Und noch a Gschichterl:
Während dem Krieg war es ja purer Luxus, wenn in der Suppe mal ein Brocken Fleisch geschwommen ist. Aber meiner Mutter, der Berta, war der Brocken einfach zu zäh, sie hat ihn von der einen in die andere Backe gekaut und geschoben und auch wieder zurück und sie konnte den Fleischbrocken einfach nicht runterschlucken. So kam ihr doch die glorreiche Idee, immer wenn es am Sonntag die Brühe mit dem zähen Fleisch gegeben hat, diese Brocken flugs im Schlafzimmer unter dem Bett verschwinden zulassen, ist doch a super Idee?
Meine Oma Berta hat das aber gar nicht gemocht, immer wenn Sie geputzt hat, kamen ihr die verschimmelten und verstaubten Brocken entgegen.

  Geschrieben von Barbara

„s´ Dreckwasser“


Jetzt ist mir endlich auch eine Anekdote eingefallen und ich hoffe, ich kann sie auch so wiedergeben, wies wirklich war.

Meine Oma Berta wohnte bei AnniAnni, warum diese entfernte Verwandte so angesprochen wurde, weiß ich nicht mehr. Im Hof war natürlich ein Brunnen, an welchem man das Frischwasser zum täglichen Gebrauch hochpumpen musste. Als Oma Berta eines Tages am Brunnen stand und dieses Mal kein frisches Wasser brauchte sonden ganz einfach ein Dreckwasser in den Kanaldeckel auf der Hauptstrasse schüttete, kam genau in diesem Moment der Bürgermeister vorbei und er sagte zu Oma Berta, dass sie des Dreckwasser gar ned in den Kanal schütta derf, worauf Oma Berta sagte, warum denn ned, soll ichs vielleicht saufa.

  Geschrieben von Barbara


Und wieder mal eine Anekdote, diesmal den Onkel Schorsch betreffend Großmutter nannte ihn nur „mein HansJörg“
 

„Der Ulmer Schisser“


Im Jahre 1910, also genau vor 100 Jahren,mußte Großmutter mit ihrem knapp 6jährigen Sohn Schorsch zu einem Arzt nach Ulm fahren. Mit der Dampflokomotive ging es von Burgau nach Ulm. Onkel Schorsch war sehr aufgeregt, war er doch das erste Mal in der Stadt. Die großen Häuser und die vielen Menschen schlugen ihm auf den Darm. Er sagte zur Mutter: ..“Muatr, - i muß sch….“ Großmutter suchte einen Hinterhof, wo der Bub sein „Geschäft“ machen konnte. Als sie soeben die weiße leinerne „Leib und Seel Hose“ aufgeknöpft hatte, kam eine Frau, die dort wohnte. Sie nahm den Bub mit und er durfte auf ihr Plumps-Klo gehen. Dankbar und erleichtert zogen die zwei weiter zum Herr Doktor. Diese Geschichte hat uns Großmutter so oft erzählt, und wir wollten sie als Kinder immer wieder hören:
Onkel Schorsch aber hat seine Vorliebe zu Ulm nie verloren, er wohnte bis zu seinem Tod mit Tante Resi und seinen 8 Kindern in der Donaustadt.

PS Wir durften als Kinder sehr oft in der „Gideon Bacher Straße“ nahe am Ulmer Münster beim Onkel Schorsch Ferien machen und das war immer ein Erlebnis an das ich heute noch sehr gerne zurückdenke.

  Geschrieben von Karin am 15.Juni 2010 (während eines Fußballspiels)

 

"Luschtig isch die Fasenacht...."


Meine Mutter (Tante Centa) war eine wahre Künstlerin im Kinderschminken mit so gut wie nichts am Faschingsdienstag. Mit Kohlestücken und Kreide malte sie nach dem Krieg die tollsten Gesichter.
Unsere Nachbarskinder waren alle da und wollten auch "gemaschkert" werden.
Bunt bemalt mit etwas "Maschker-G´wand" zogen wir dann los und sangen folgende Fasnachtslieder:

"Luschtig isch die Fasenacht, -
wenn mei Muater Küachla backt (Berliner)
wenn se aber koine backt, -
nau pfeif i auf dia Fasenacht".

oder:

"Beim Käppale Wirt, -beim Käppale Wirt,  (Gasthaus in Burgau)
dau kehrat d`Maschker ei -
und saufat Bier und Brantawei,
und schiabat d´Gläsla ei"!!

Dann bekam man einen Apfel geschenkt oder wenn´s hoch herging  a Küachle.

"`D Ami kommat"


Dieser Satz ging Ende April 1945 wie ein Lauffeuer durch unser Dörfle...
Als die US-Armee Röfingen einnahn. Agnes Vogel, die Schwester des damali- gen Pfarrers Dr.Adalbert Vogel, war die einzige Röfingerin, die englisch konnte. So verhandelte sie am Ortseingang beim "Marza-Bäck" mit dem US Sergeanten, und übersetzte, daß alle Röfinger Bürger sich ergeben würden. Als äußeres Zeichen wurden an jedem Haus weiße Bettlaken gehißt.
Mit Panzer und schweren Militärwagen fuhren die US-Soldaten ein. Nun mußten alle Häuser der Untergasse geräumt und den Ami´s überlassen werden.
Im Haldenwanger Wald bezog die SS Stellung und nun wurde geschoßen. Auch wir mußten ausziehen und gingen "zum Dotle".Das war der Bruder vom Großvater Josef Schmid, langjähriger Bürgermeister in Röfingen.
Unser Großvater band seine zwei Goiße an einen Strick, schob das weiße Paidibett mit samt meiner Schwester Gerlinde den Kirchenberg hinauf. Alles Essbare wurde ins Kinderbett geladen,und auf vier Rollen ging es los.
Eine Woche dauerte die "Häusles-Besetzung", dann durften wir wieder heim. Wir Kinder schliefen in einer großen Zinkbadewanne und Wäschekörben.

-- Ich war damals in der 1.Klasse. Unsere Schule war als Lazarett umfunktioniert worden. Wir hatten Ersatz Unterricht beim "Konsom" (ehemalige Gaststätte Ulrich Wagner.)
Eines Tages kam der"Schellemann" (Gemeindediener mit großer Schelle), er gab bekannt, daß ab sofort alle Schüler eine Klasse weiter kämen. So hatte dieses Kurzschuljahr für uns   einen Vorteil, wir kamen dadurch 1Jahr früher aus der Schule.
Das waren meine Kindheits Erinnerungen an das Kriegsende 1945.
  Alle aus meiner Generation werden ähnliches erlebt haben.
Hoffentlich bleibt unseren Kindern und Enkeln solches erspart.

  Karin 1.Juni 2010 (heute ist Großvater´s´Geburtstag vor 137 Jahren)

"Als dr Großvatr d`Großmuatr g`heirigat hat"


Als der Schuhmachermeister Dionys Schmid aus Röfingen im Jahre anno 1899
die erst 19 jährige Kreszenz Henle zur Frau nahm entstand folgendes
Gedicht, das uns Großvater immer ganz stolz vortrug:

SENZE, SENZE, -alle Buaba wend´t se -
alle Buaba hand´ts probiert,-
koiner hat dia SENZE kriag´t.
Dau kam d´r "Lange Schuschter Schmid"-
und d e r hat dia SENZE kriag´t!!!

Dieses Gedicht vervollständigte Enkelin Karin Enders geb. Henkel,
Tochter von der junge SENZE besser bekannt als "Tante Centa"

Er war verliebt, bis über beide Ohren
9 Kinder hat sie ihm geboren.
10 hungrige Mäuler saßen am Tisch,
doch Not, - die macht erfinderisch.

Die Großmutter kocht alle Tag "e Brotsupp" - für´s Futter
geschmelzt mit eigener "Goissemilch-Butter".
Aus allen 8 Kindern ist was geworden,
dafür gebührt den Großeltern noch heute ein Orden.
Singen konnten sie alle sehr gut-
das lag hald so bei de Schmid´s im Blut.
Der "Sepp und der Diesel" spielten in der Musikkappell
und die "Tante Fanni" war im Röfinger Kirchenchor zur Stell.

So wollen heut wir, die Nachkommenschar,
dankbar sein, noch viele Jahr
den Großeltern - und unseren Eltern auch,
sie zogen uns in schlechten Zeiten auf.
Und dennoch denken wir gerne zurück,
an unsere Kindheit- auch in Krieg´s Jahrn gab´s Glück.

Für unsere Kinder und auch für´s Enkelkind
die im "Wohlstandszeitalter" geboren sind,
soll das zum lesen und schmunzeln sein -
ihr sollt euch heut eures Lebens freun...........

"s`Blindamause"


Am Vorabend vom Martinstag, also am 10.November war es Brauch und Sitte in den Familien "Blinde Kuh" zu spielen. Wir sagten schwäbisch dazu "Blindamausa". In der großen Stub bei der Großmutter kamen in den End- vierziger Jahren die Enkel und auch Nachbarskinder zusammen. Bei Großvaters Weiden, er hatte zuletzt Torfkörbe geflochten, konnte man sich ganz toll verstecken.Der Suchende mußte mit verbundenen Augen rücklings zur Tür, und sagte folgenden Spruch:
"I klopf,-i klopf an d´Stubatür alle: "Wer isch derfür?
(der Sucher )E ´Buaches -- alle: "Komm füre und such es"

Dann ging´s los mit Riesenspaß und viel Gekröle.
Wir waren auch ohne Fernseher - Computer - und Videospiele glückliche und frohe Kinder. Das war hald so vor fast 70 Jahren.


"A virnehm´s Nüdele"

 (Ein vorzüglicher Kuchen, für alle Nicht-Schwaben)

Während des zweiten Weltkrieges kam immer eine alte "Bääs" zur Großmutter am Sonntag Nachmittag zum ratschen. Es war "d´Drogweaber Sefe" (Josefa) In der guten Stube saßen sie auf der Holzkiste um den warmen Ofen rum und ratschten. Später gab es Zichori Kaffee.
Großmutter backte am Samstag immer einen Gugelhopf aus Mehl Wasser und Hefe. Einfach und gut.
Als die zwei Freundinnen ihr Kathreiner-Schüsselchen schlürften und der Gugelhopf angeschnitten wurde, sagte die "Drogweaber-Sefe" zur Großmutter "Mädle, a virnehm´s Nüdele hasch heit mea backa!"

Auch ohne Schwarzwälder oder Käsesahnetorte war es ein schöner Sonntag!


Karin geschrieben am 9.Mai 2010 Muttertag

Counter | Privatbereich | Das ist die private Seite der Familie Schmid | Hosting und Domain